Der weiße Škoda Felicia Van Plus: Mit 68 PS durch den Schneesturm – eine Reise zwischen Alpen, Nietzsche und Lebensfreude.

Hyperfokus, Vorfreude und der Maloja-Pass – Warum Freude manchmal mehr PS hat als jeder Allradantrieb. Es gibt Erinnerungen, die riechen nach Schnee. Nicht nach dem matschigen Winter in der Stadt, sondern nach diesem kristallklaren Duft der Alpen, der sich anfühlt, als hätte jemand die Welt frisch gewaschen. Erinnerungen, die Jahrzehnte später noch unter der Haut kribbeln. Man erinnert sich nicht zuerst an die Angst. Nicht an die Kälte. Nicht einmal an den Schneesturm. Man erinnert sich an die Vorfreude. Vielleicht unterschätzen wir sie. In einer Welt, in der Leistung oft höher bewertet wird als Begeisterung, wirkt Vorfreude beinahe naiv. Dabei ist sie eine gewaltige Kraft. Sie bündelt Aufmerksamkeit, setzt Energie frei und lässt uns Dinge wagen, die wir mit reinem Verstand vermutlich nie begonnen hätten. Heute würde die Neurowissenschaft erklären, was dabei im Gehirn geschieht. Damals wusste ich nur eines: Ich wollte zu meiner Freundin Anja nach Sils Maria.

Der schönste Motor der Welt

Ich arbeitete damals in einem Hotel im bündnerischen Soazza. Es war mein freier Tag, und seit dem Frühstück befand ich mich im Hyperfokus. Mein Gehirn hatte genau ein Ziel. Ankommen. Wiedersehen. Lachen. Geschichten austauschen. Mein Fahrzeug war alles andere als spektakulär. Ein Skoda Felicia Van Plus. Kein Luxusauto. Keine Sitzheizung. Keine Assistenzsysteme. Keine elektronische Bergabfahrhilfe. Dafür nagelneue Winterreifen und erstaunlich viel Charakter. Wenn Vorfreude ein Kraftstoff wäre, hätte dieser kleine Skoda wahrscheinlich den ganzen Pass ohne Tankstopp geschafft.

Der Maloja ist mehr als ein Alpenpass

Erst viele Jahre später begriff ich, welch außergewöhnliche Strecke ich damals eigentlich gefahren war. Der Maloja-Pass erhebt sich auf 1.815 Metern und verbindet das Oberengadin mit dem italienischsprachigen Bergell. Er gehört zu den bekanntesten Alpenpässen der Schweiz und besitzt eine Besonderheit, die ihn von vielen anderen Gebirgspässen unterscheidet. Von der Engadiner Seite steigt die Straße vergleichsweise sanft an. Fast unmerklich gewinnt man an Höhe. Doch auf der Südseite verändert sich der Charakter schlagartig. Dort fällt die Straße in einer spektakulären Folge enger Serpentinen hinunter ins Val Bregaglia. Wer den Maloja zum ersten Mal befährt, erlebt gleich zwei Landschaften. Oben öffnet sich das weite Engadin mit seinen berühmten Seen – dem Silsersee und dem Silvaplanersee, eingerahmt von Arvenwäldern, Granitfelsen und schneebedeckten Gipfeln. Auf der anderen Seite beginnt bereits das mediterran anmutende Bergell. Zwei Welten, verbunden durch eine einzige Straße. Im Sommer pilgern Wanderer, Rennradfahrer und Motorradfahrer hierher. Im Winter verwandelt sich dieselbe Route in eine anspruchsvolle Verbindung zwischen der Schweiz und Italien. Sie bleibt das ganze Jahr geöffnet – sofern die Natur es zulässt. An jenem Tag allerdings hatte die Natur ihre eigenen Pläne.

Wenn die Alpen beschließen, eine Schneekugel zu sein

Kaum hatte ich die ersten Kurven erreicht, begann es. Erst schwebten ein paar Schneeflocken über die Windschutzscheibe. Dann Hunderte. Dann Millionen. Innerhalb weniger Minuten verschluckte der Schneesturm die Landschaft vollständig. Himmel und Erde wurden eins. Die Straße war nur noch zu erahnen. Meine Scheibenwischer arbeiteten auf Hochtouren und wirkten dabei ungefähr so effektiv wie zwei Teelöffel gegen eine Springflut. Ich umklammerte das Lenkrad. Links Felswand. Rechts gefühlte Unendlichkeit. Mein Verstand begann sofort zu meckern. »Das ist keine gute Idee.« Mein Herz antwortete entschlossen. »Anja wartet.«

Die Superpower der Freude

Das Faszinierende am Hyperfokus ist seine Widersprüchlichkeit. Er kann uns überfordern. Er kann uns erschöpfen. Er kann uns aber auch retten. Denn Hyperfokus ist nicht nur Konzentration. Er ist gebündelte Aufmerksamkeit. Und wenn diese Aufmerksamkeit aus echter Vorfreude entsteht, entwickelt sie eine erstaunliche Kraft. Während mein Kopf sämtliche Horrorszenarien durchspielte, dachte mein Inneres ausschließlich an das Wiedersehen. Anjas Lachen. Eine heiße Tasse Kaffee. Das Gefühl, angekommen zu sein. Vielleicht war genau das meine eigentliche Superpower. Nicht Mut. Nicht Fahrkönnen. Sondern Freude.

Als die großen SUVs aufgaben

Irgendwann fiel mir etwas auf. Am Straßenrand standen sie. Große Geländewagen. Massige Allrad-SUVs. Warnblinker. Schneeketten. Ratlose Gesichter hinter beschlagenen Scheiben. Sie hatten aufgegeben. Und mittendrin arbeitete sich mein kleiner Skoda unbeirrt weiter bergauf. Bis heute bringt mich dieser Gedanke zum Schmunzeln. Während tonnenschwere Technik kapitulierte, tuckerte dieser unscheinbare Kastenwagen stoisch durch den Schnee, als hätte ihm niemand erklärt, dass er dafür eigentlich viel zu klein sei. Vielleicht lag es an den neuen Winterreifen. Vielleicht an einer Portion Glück. Vielleicht aber auch daran, dass Begeisterung manchmal erstaunlich viel Traktion besitzt.

Ein Dorf, das Philosophen anzog

Irgendwann tauchten die ersten Lichter von Sils Maria auf. Nie zuvor hatten sich ein paar Fenster so sehr nach Zuhause angefühlt.

Damals wusste ich noch nicht, dass dieses kleine Dorf weit mehr ist als ein Wintersportort. Friedrich Nietzsche verbrachte hier mehrere Sommer. Zwischen Silsersee und Silvaplanersee entstanden einige seiner bedeutendsten Gedanken. Er beschrieb diese Landschaft als einen Ort, an dem Himmel, Wasser, Licht und Berge eine beinahe vollkommene Harmonie bilden. Ich musste lächeln, als ich Jahre später darüber las. Ich war damals nicht auf den Spuren eines Philosophen unterwegs. Ich folgte schlicht meiner Freude. Vielleicht war genau das der bessere Reiseführer.

Als die Zeit stehen blieb

Nachdem Anja zurück zur Arbeit musste, machte ich mich allein auf den Weg zum Silsersee. Was dann geschah, lässt sich kaum beschreiben. Die Welt wurde leise. Der zugefrorene See lag unter einer makellosen Schneedecke. Kein Wind. Kein Motorengeräusch. Kein Zeitdruck. Nur dieses sanfte Knirschen unter meinen Schuhen. Mein Atem stieg als feiner Nebel in die klare Luft. Die Sonne senkte sich langsam hinter die Gipfel und tauchte den Schnee in Gold, Rosé und Silber. Millionen winziger Kristalle funkelten, als hätte jemand Sternenstaub über die Landschaft gestreut. Ich lief einfach weiter. Ohne Ziel. Ohne Uhr. Ohne den Gedanken, produktiv sein zu müssen. Heute sprechen Psychologen von Soft Fascination oder Attention Restoration – jener stillen Kraft der Natur, die unser überreiztes Gehirn regeneriert. Damals hatte ich für dieses Gefühl keinen Begriff. Ich wusste nur: Mir geht es gerade unfassbar gut.

Warum Berge unsere Probleme schrumpfen lassen

Je länger ich am Silsersee entlangwanderte, desto kleiner wurden meine Sorgen. Sie schrumpften. Erst auf Kieselgröße. Dann auf Sandkornformat. Und schließlich verschwanden sie irgendwo zwischen Himmel, Schnee und den uralten Gipfeln. Vielleicht suchen wir deshalb seit Jahrtausenden die Berge auf. Nicht, weil sie Antworten liefern. Sondern weil sie die richtigen Fragen stellen. Sie erinnern uns daran, wie klein wir sind. Und gleichzeitig daran, wie groß das Leben sein kann.

Freude hat Allradantrieb

Viele Jahre später denke ich noch immer an diesen Tag zurück. Nicht zuerst an den Schneesturm. Nicht an die Angst. Nicht an den Maloja-Pass. Ich denke an die Freude. An dieses kaum zu bändigende Kribbeln, das mich morgens ins Auto steigen ließ. An den kleinen Skoda Felicia Van Plus, der sich unbeirrbar durch den Schneesturm kämpfte. An die großen Geländewagen, die längst aufgegeben hatten. Und an die Erkenntnis, dass wir Menschen unsere größte Kraft oft dort finden, wo kein Navigationsgerät sie messen kann. Vielleicht brauchen wir im Leben gar nicht immer den stärksten Motor. Nicht die meiste Technik. Nicht die teuerste Ausrüstung. Manchmal reichen vier gute Winterreifen, ein klares Ziel und ein Herz, das längst dort angekommen ist, wohin der Körper noch unterwegs ist. Denn Freude besitzt eine Eigenschaft, die in keiner technischen Fahrzeugbeschreibung auftaucht.

Sie hat Allradantrieb.

Bücher über Youngtimer + Winterabenteuer + Alpen + Reisen + Resilienz + Hyperfokus + Philosophie des Unterwegsseins. Der weiße Škoda Felicia Van Plus wird dabei fast zur literarischen Figur: ein unscheinbarer Begleiter, der Menschen durch Schneestürme, Serpentinen und innere Landschaften bringt.

Die Kunst des Reisens – Alain de Botton 17,00 €

Warum es so gut passt: Über die Philosophie des Reisens, Vorfreude, Wahrnehmung, kleine Abenteuer

Dieses Buch ist eigentlich die geistige Landkarte hinter einer Schneefahrt über den Maloja-Pass. De Botton zeigt: Reisen beginnt nicht erst beim Starten des Motors. Es beginnt in der Fantasie, in der Erwartung, in diesem besonderen Zustand zwischen Alltag und Abenteuer.

  • Philosophie des Reisens
  • Vorfreude
  • Reiseerlebnis Alpen
  • Naturerlebnis Schweiz
  • Hyperfokus

Ein alter weißer Škoda Felicia ist kein Statussymbol. Er ist ein Gefährt der Möglichkeiten. Genau diese Idee verbindet sich mit de Bottons Gedanken: Der Wert einer Reise liegt nicht im Luxus des Fahrzeugs, sondern in der Intensität des Erlebens.

Der Zauberberg – Thomas Mann ab 9,95 €

Natürlich kein Autoreisebuch – und genau deshalb spannend. Der Schauplatz Davos und die alpine Atmosphäre verbinden sich mit

  • Graubünden
  • Schweizer Alpen
  • Winter in Graubünden
  • Berglandschaft
  • philosophische Betrachtung

Thomas Manns Alpenwelt ist eine Welt außerhalb des normalen Rhythmus. Ein Schneesturm am Maloja-Pass besitzt dieselbe Qualität: Die Natur zwingt den Menschen, langsamer zu werden. Der Kastenwagen wird zur modernen Berghütte auf vier Rädern: klein, praktisch, reduziert – ein mobiles Refugium.

Ecotopia – Ernest Callenbach ab 8,84 €

Der Felicia Van Plus steht für eine Ära, in der Fahrzeuge noch:

  • reparierbar,
  • überschaubar,
  • funktional,
  • langlebig

waren.

Also sprach Zarathustra – Friedrich Nietzsche ab 15,99 €

Sils Maria war einer der wichtigsten Orte in Nietzsches Leben. Die Landschaft rund um den Silsersee inspirierte ihn zu großen Gedanken über Selbstüberwindung, Freiheit und Lebensbejahung.

  • Friedrich Nietzsche Sils Maria
  • Silsersee
  • Engadiner Winter
  • Mut im Alltag
  • Resilienz
  • Hyperfokus

Eine Fahrt durch Schnee ist nicht nur eine technische Herausforderung. Sie ist ein Dialog zwischen Mensch, Maschine und Natur.

Winterwandern Schweiz

Warum passend: konkrete Inspiration für Alpenabenteuer

  • Maloja Pass Winter
  • Engadin
  • Silvaplanersee
  • Winterlandschaft Alpen
  • Schneefahrt Schweiz
  • Bergpass im Winter

Ein guter Winterwanderführer ergänzt die Autoreise perfekt: Der Wagen bringt dich hin – aber die Landschaft beginnt erst außerhalb der Fahrertür.

Flow. Das Geheimnis des Glücks, Mihály Csíkszentmihályi, ab 12,99 € 

Glück kommt nicht von außen, Glück ist das, was wir aus unseren Erfahrungen machen. Dieses Buch zeigt, dass Menschen dadurch, dass sie ihr eigenes Erleben kontrollieren, die Kontrolle über ihre Lebensqualität selbst in die eigene Hand nehmen. Auf diese Weise kommen sie dem Glück immer näher.
»Csikszentmihalyi beweist, was Philosophen schon seit Jahrhunderten sagen: Der Weg zum Glücklichsein liegt nicht in hohler Vergnügungssucht, sondern in sinnvoller Herausforderung.«
The New York Times
Wer das Glück will, muss das Chaos im eigenen Kopf beherrschen. Wer frei sein will, muss nur seine Ziele kennen. Das Buch fasst jahrzehntelange Forschung über die positiven Aspekte menschlicher Erfahrungen zusammen: Freude, Kreativität und den Prozess vollständigen Einsseins mit dem Leben, den der Autor FLOW nennt.
Glück ist nichts, was man mit Geld kaufen könnte. Glück ist flow. Jeder hat dieses Gefühl schon erlebt: über sich selbst zu verfügen, im Einklang mit sich und der Welt zu sein und sein Schicksal in die eigene Hand nehmen zu können. Bei diesen seltenen Gelegenheiten spürt man ein Gefühl von Hochstimmung, von tiefer Freude, das lange anhält und zu einem Maßstab dafür wird, wie das Leben aussehen sollte.
»FLOW« ist ein Buch der praktischen Lebensweisheit. Zwar gibt es keinen Königsweg zum flow, auch erfordert die Einzigartigkeit jedes Menschen einen individuellen Zugang; aber wer versteht, was flow ist, dem wird es möglich, das eigene Leben zu verändern.
Diese Veränderungen hängen nicht so sehr von äußeren Ereignissen ab, sondern eher davon, wie wir sie deuten. – Glück ist ein Zustand, für den man bereit sein muss, den jeder einzelne kultivieren und für sich verteidigen muss. Menschen, die lernen, ihre innere Erfahrung zu kontrollieren, können ihre Lebensqualität bestimmen; und das kommt dem, was wir gewöhnlich Glück nennen, wohl am allernächsten.
»“Flow. Das Geheimnis des Glücks“ zeigt, dass Glück nicht vom Himmel fällt. Die Fähigkeit zum Glücklichsein und FLOW zu empfinden, steckt in jedem. Mit Konzentration auf das, was man tut, kann man den Zustand des FLOW erreichen. Ein tolles Buch, das Lust auf Leistung macht.«

Der alte Mann und das Meer, Ernest Hemingway, ab 9,99 €

Für Resilienz: Der Mensch gegen die Natur – nicht als Gegner, sondern als Teil eines größeren Systems.

Ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis 1953, ein Jahr später ausdrücklich von der Nobelpreis-Jury erwähnt:

Hemingways faszinierende Novelle über den kubanischen Fischer Santiago. Allein fährt der in einem kleinen Ruderboot aufs Meer. Vierundachtzig Tage hat er nichts gefangen. Sein junger Helfer wurde auf ein anderes Boot geschickt – der alte Mann sei vom Unglück verfolgt, sagen die Eltern. Doch nachdem Santiago wieder einen ganzen Tag lang umsonst gewartet hat, beißt ein sehr großer Fisch an und zieht ihn und das Boot hinaus aufs offene Meer. Ein ungleicher Kampf beginnt.

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