Mein 40. Geburtstag: Der Deckchair muss mit. Es gibt Geburtstage, an denen man sich vornimmt, Bilanz zu ziehen. Vierzig. Eine schöne runde Zahl. Alt genug für erste Lebensweisheiten, jung genug für schlechte Entscheidungen.
Ein Alter, in dem man theoretisch wissen könnte, dass man eine Wetter-App benutzen sollte. Ich gehörte damals nicht zu den Menschen, die sich von solchen Details aufhalten ließen. Mein Bruder hatte sich angekündigt. Mit seinem neuen Freund. Zu Weihnachten. In der Schweiz. „Was sollen wir in die Tasche packen?“, fragte er. Ich schaute aus dem Küchenfenster. Berge. Sonne. Palmen. Gestern hatte ich noch auf der Terasse in Ascona gesessen. Bei 20° C einen Espresso genossen. „Leichte Sachen“, sagte ich. Es war eine jener Entscheidungen, die im Moment vollkommen plausibel erscheinen und später eine gewisse Komik entwickeln. Hätte ich auf die Wetter-App geschaut, wäre vermutlich alles anders gekommen. Aber dann hätte ich heute auch nichts zu erzählen.
Die Reise begann mit einer Wetterlüge
Heiligabend war ruhig. Das Internat war geschlossen, ich hatte frei, mein Sohn wollte Pizza. Also gab es Pizza. Ich mochte diese Art von Weihnachten. Kein Programm, keine Verpflichtungen, kein dekoratives Übermaß. Einfach sitzen, essen, aus dem Fenster schauen und die Berge ansehen. Die beiden würden am nächsten Abend in Mailand ankommen. Ich würde sie abholen. Wir würden zurück nach Lostallo fahren. Und um Mitternacht würden wir gemeinsam anstoßen. Ein klarer Plan. Für Menschen wie mich ist ein klarer Plan gefährlich. Denn sobald ein Ziel im Kopf sitzt, beginnt etwas zu arbeiten. Eine Art innerer Motor. Heute würde ich sagen: Hyperfokus. Damals war es einfach mein Wesen. Wenn ich beschlossen hatte, dass wir um Mitternacht gemeinsam anstoßen würden, dann würden wir um Mitternacht gemeinsam anstoßen. Die Tatsache, dass inzwischen Schnee vom Himmel fiel, war zunächst nur eine meteorologische Fußnote. Ich fuhr los.
Bellinzona war der Moment, in dem die Prognose sich auflöste
Bis Bellinzona konnte man noch so tun, als sei alles unter Kontrolle. Dann wurde der Schnee dichter. Er kam nicht mehr aus dem Himmel. Er kam von überall. Ich sah die Straße vor mir immer schlechter und dachte: Das kann ja heiter werden. Es war natürlich überhaupt nicht heiter. Aber es gibt einen Punkt auf jeder Reise, an dem man sich entscheiden muss, ob man umkehrt oder die Geschichte zu Ende fährt. Ich fuhr weiter. Am Flughafen war alles wie gewohnt herzlich. Mein Bruder. Sein neuer Freund. Weiße Turnschuhe. Streifen. Ich sah auf die Schuhe und dann nach draußen. Schnee. Viel Schnee. Ich glaube, in diesem Moment hätte jeder vernünftige Mensch gesagt: „Wir brauchen eine andere Lösung.“ Ich sagte: „Na dann mal los.“
Der Skoda Felicia und die Grenzen der Vernunft
Unser weißer Skoda Felicia Van war ein bemerkenswertes Fahrzeug. Nicht schön im klassischen Sinn. Aber zuverlässig. Und mit einer gewissen Bereitschaft, Dinge zu transportieren, die andere Autos vermutlich aus Gründen der Menschenwürde abgelehnt hätten. Auf der Laderampe stand ein grüner Deckchair. Der hatte sich schon mehrfach bewährt. Eifel. Schweiz. Kurze Strecken. Spontane Lösungen. Ein Deckchair ist schließlich ein vielseitiges Möbelstück. Man kann darin sitzen, liegen, nachdenken oder sich darüber hinwegsetzen, dass ein Auto eigentlich für eine bestimmte Anzahl von Personen zugelassen ist. Mein Bruder war 1,90 Meter groß. Der Deckchair war deutlich kleiner. Wir betrachteten einander. Dann den Stuhl. Dann wieder einander. Es war keine perfekte Lösung. Aber Perfektion war an diesem Abend ohnehin nicht verfügbar. Also setzte sich mein Bruder hinten in den grünen Deckchair. Ich wickelte eine große Decke um ihn. Vielleicht war er nach 38 Jahren einfach müde geworden, sich gegen meinen Tatendrang zu wehren. Vielleicht kannte er mich auch gut genug. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dachte er möglicherweise, dann wird das jetzt gemacht. Dabei draufgehen war keine Option.
Die Alpen wurden weiß
Der Wind peitschte den Schnee über die Straße. Weiße Geschosse trafen auf die Windschutzscheibe. Links und rechts türmten sich die verschneiten Alpen auf. Die Straße verschwand immer wieder unter einer weißen Schicht, Himmel und Erde gingen ineinander über. Die Bäume standen gebeugt unter der Schneelast. Alles wirkte plötzlich größer als wir. Und kleiner. Wir waren drei Menschen und ein weißer Skoda Van in einer Landschaft, die keinerlei Interesse daran zeigte, dass ich Geburtstag hatte. Der Neue saß neben mir. Mein Bruder saß hinten. Im Deckchair. Unter einer Decke. Mit perfekt sitzender Frisur. Ich fuhr. Und irgendwo zwischen Como und der Grenze wurde mir klar, dass das hier entweder eine sehr schlechte Idee oder eine sehr gute Erinnerung werden würde. Vielleicht beides.
Der Grenzbeamte
Dann tauchte der Grenzposten auf. Ein kleines Gebäude. Ein Licht. Ein Schlagbaum. Ein Grenzbeamter in grauen Wollmantel und großer Pelzmütze. Weihnachten. Mitten in der Nacht. Schnee. Wir rollten langsam heran. Er trat ans Auto. Ich ließ das Fenster herunter. Sofort schoss die Kälte herein. Er fragte, ob wir etwas zu verzollen hätten. Eine vollkommen normale Frage. Ich war allerdings nicht mehr ganz in einem vollkommen normalen Zustand. „Eine Person“, murmelte ich. Der Beamte sah mich an. „Scusa?“ Ich sagte noch einmal: „Eine Person.“ Heute würde ich gern behaupten, dass ich damit bewusst auf den ungewöhnlichen Passagier im Laderaum hinweisen wollte. Das wäre gelogen. Ich hatte schlicht keine Ahnung, warum ich das gesagt hatte. Der Beamte wurde misstrauisch. Er ging um das Fahrzeug herum. Langsam. Ich sagte: „Er kommt rum.“ Was genau ihm das in dem Moment nutzen sollte, weiß ich bis heute nicht. Dann schaute er durch die hintere Scheibe. Und blieb stehen.

Der Moment mit dem Deckchair
Dort saß mein Bruder. Im grünen Deckchair. Unter einer dicken Decke. Im Laderaum. Mit nichts als seinem Gesicht und seiner perfekten Frisur, die aus dem Stoff hervorschauten. Der Grenzbeamte sah ihn an. Mein Bruder sah zurück. Sein späterer Ehemann sagte nichts. Der Beamte stand da wie jemand, der gerade versucht, sein gesamtes berufliches Regelwerk mit einem einzigen Blick in einen Skoda Felicia zu bringen. Vielleicht fragte er sich, ob es eine Vorschrift für Männer im Deckchair gab. Vielleicht für Weihnachtsreisen. Vielleicht für große Brüder. Vielleicht für Frauen auf der Schwelle zur 40, die im Schneesturm einen 1,90 Meter großen Mann im Laderaum über eine internationale Grenze transportieren. Vermutlich gab es dafür keine Vorschrift. Jedenfalls hob er irgendwann den Schlagbaum ohne eine Miene zu verziehen. Vielleicht hatte er zu Hause eine Frau. Eine temperamentvolle Italienerin. Vielleicht war ihm dieser Ausdruck in den Augen vertraut, bei dem jeder Widerstand zwecklos schien. Wir durften weiter. Die letzte Instanz. Die Entschlossenheit einer Frau, die auf einer Mission war.
Der TÜV hätte Nein gesagt
Im Nachhinein denke ich oft an diesen Deckchair. Der TÜV hätte ihn wahrscheinlich nicht durchgewunken. Ein Sicherheitsingenieur hätte Fragen gehabt. Ein Polizist vermutlich auch. Ein vernünftiger Mensch sowieso. Aber das Leben ist manchmal seltsam großzügig mit Dingen, die auf dem Papier nicht funktionieren. Der Deckchair war kein zugelassener Sitzplatz. Aber er war ein Platz. Mein Bruder saß darin. Und er kam mit. Vielleicht ist Familie genau das: Manchmal passt etwas nicht in die vorgesehene Konstruktion. Und trotzdem findet es seinen Platz.
Zwei Meter Sicht und erstaunliche Gelassenheit
Die Sicht wurde immer schlechter. Der Skoda geriet ins Schlingern. Einmal drehte er sich um die eigene Achse. Die Straße war kaum noch zu erkennen. Und trotzdem fühlte ich mich plötzlich erstaunlich friedlich. Vielleicht war das der Moment, in dem ich verstanden hatte, dass wir nichts mehr optimieren konnten. Keine bessere Planung. Keine bessere Kleidung. Keine Wetter-App. Keine Alternative. Nur weiter. Und vielleicht ist das eine unterschätzte Form von Gelassenheit: nicht deshalb ruhig zu sein, weil alles unter Kontrolle ist, sondern weil man irgendwann akzeptiert, dass es das nicht ist.
Und dann waren wir zu Hause
Irgendwann kamen wir an. Mein Sohn und Chica warteten. Es gab warmes Essen. Wir waren zusammen. Und dafür musste ich erst einmal durch einen Schneesturm fahren. Vielleicht ist das die Sache mit dem Leben: Wir glauben immer, wir würden irgendwohin fahren. Dabei fahren wir oft auf etwas zu, von dem wir noch gar nicht wissen, dass es wichtig werden wird. Damals wollte ich nur rechtzeitig zu Hause sein. Heute weiß ich, dass ich auf eine Erinnerung zufuhr.
Vielleicht muss nicht alles durch den TÜV
Mit vierzig hatte ich jedenfalls eine neue Theorie. Nicht alles, was funktioniert, ist vernünftig. Nicht alles, was vernünftig ist, funktioniert. Und nicht alles, was niemals durch den TÜV käme, ist deshalb eine schlechte Idee. Manchmal braucht man einen alten Skoda. Einen grünen Deckchair. Eine dicke Decke. Einen Bruder, der bereit ist, sich auf ziemlich absurde Weise in Sicherheit zu bringen. Einen neuen Freund. Einen Sohn mit Pizza. Einen Hund. Einen Schneesturm. Und einen sehr großzügigen Grenzbeamten, der an Weihnachten offenbar beschlossen hat, die Welt für einen Moment nicht ganz so genau zu nehmen. Ich weiß nicht, ob mein 40. Geburtstag ein besonders guter Geburtstag war. Aber er war ein echter. Und vielleicht sind es genau diese Geburtstage, die bleiben. Nicht die mit dem perfekten Tisch. Nicht die mit der perfekten Kleidung. Nicht die, bei denen alles nach Plan läuft. Sondern die, bei denen man irgendwann im Schneesturm sitzt und denkt: Das hier ist völlig verrückt. Und gleichzeitig: Ich möchte nirgendwo anders sein. Der Deckchair hat den TÜV vielleicht nicht bestanden. Wir schon. Und am Ende war alles gut.

Die Sicht betrug kaum zwei Meter, und immer wieder geriet der Skoda ins Schlingern, drehte sich fast um die eigene Achse, bevor ich ihn wieder unter Kontrolle brachte. Doch seltsamerweise fühlte ich mich friedlich. Es war ein Abenteuer, ein unerwartetes Geschenk an diesem Abend. Zu Hause warteten mein Sohn und Chica, die uns mit einem warmen Essen empfingen. Und ich?
Vielleicht war es genau das, was ich damals brauchte
Heute, mit einigem Abstand und deutlich mehr Reflexion, weiß ich, warum mir diese kleine, völlig absurde Geschichte so viel Energie gegeben hat. Sie war mehr als eine nächtliche Autofahrt. Sie war eine Challenge. Etwas, das ich schaffen konnte. Denn eigentlich lag zu diesem Zeitpunkt gerade die Kündigung auf dem Tisch. Wir waren erst vier Monate in Lostallo. Vier Monate, in denen wir angefangen hatten, anzukommen. Die Wohnung war gerade eingerichtet. Mein Sohn hatte sich gerade erst im Internat eingelebt. Die ersten Freundschaften waren entstanden. Ich hatte einen Italienischkurs angefangen. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich das Gefühl: Vielleicht können wir hier tatsächlich durchatmen. Lostallo war idyllisch. Sehr idyllisch. Vielleicht sogar zu idyllisch, wenn man dringend eine neue berufliche Perspektive braucht. Denn Beschäftigung gab es dort nicht gerade im Überfluss. Das Pächterehepaar, bei dem ich gearbeitet hatte, musste seinen eigenen Lebenstraum begraben. Was einmal als Zukunft gedacht war, stand plötzlich selbst vor dem Aus. Sie konnten nicht mehr zahlen. Und damit war auch mein Lebenstraum, zumindest vorübergehend, wieder in der Schwebe. Eine neue Stelle war nicht in Sicht. Das letzte Gehalt war noch nicht bezahlt. Und in der Schweiz war man in meiner Situation nicht einfach automatisch abgesichert. Ich hing völlig in der Luft. Es musste schnell gehen. Meine Nerven waren am Anschlag. Und gleichzeitig wollte ich für meinen Sohn Stabilität herstellen. Gerade erst hatte er sich im Internat eingelebt. Gerade erst hatten wir angefangen, uns ein kleines Leben aufzubauen. Möbel ausgesucht, Kisten ausgepackt, Menschen kennengelernt, erste Wörter Italienisch gelernt. Und plötzlich war da wieder dieses große, hässliche Fragezeichen. Wie geht es weiter? Ich wusste es nicht. Vielleicht war genau deshalb die Mailand-Exkursion so wichtig. Sie war völlig irrational. Aber sie hatte ein klares Ziel. Ich musste meinen Bruder abholen. Wir mussten gemeinsam zurück. Wir würden um Mitternacht anstoßen. Punkt. Keine Existenzfrage. Keine Bewerbung. Keine Überlegung, ob ich mir das Leben in der Schweiz überhaupt noch leisten konnte. Keine Gedanken darüber, was nach dem letzten Gehalt passieren würde. Nur: Losfahren. Ankommen. Zurückfahren. Gemeinsam anstoßen.
Und irgendwo dazwischen kam der Schnee. Dann kam der Deckchair. Dann kam der Grenzbeamte. Und plötzlich war mein ganzes Gehirn beschäftigt. Ich musste fahren. Ich musste auf die Straße achten. Ich musste den Skoda durch den Schnee bringen. Ich musste meinen Bruder irgendwie nach Hause bekommen. Ich musste seinen Auserwählten kennenlernen. Ich musste dafür sorgen, dass wir rechtzeitig ankamen. Mein Kopf hatte endlich wieder eine Aufgabe, die nicht existenziell war. Eine Aufgabe, die lösbar war. Und vielleicht unterschätzen wir genau das im Leben: wie viel Energie eine kleine bewältigte Herausforderung freisetzen kann. Nicht unbedingt die große Lösung. Nicht der neue Job. Nicht der große Befreiungsschlag. Manchmal reicht zunächst eine kleine Sache, die funktioniert. Eine Tür, die aufgeht. Ein Problem, das man löst. Ein Auto, das trotz Schnee weiterfährt. Ein Bruder, der im Deckchair sitzt. Ein Grenzbeamter, der den Schlagbaum hebt. Ein Mitternachtsmoment, in dem plötzlich wieder alle da sind.
Eine kleine Challenge gegen das große Fragezeichen
Heute sehe ich diese Nacht deshalb anders. Damals dachte ich vermutlich einfach: Wir müssen da durch. Heute weiß ich, dass ich mir damit unbewusst selbst etwas zurückgegeben habe, das mir die Realität gerade genommen hatte: Handlungsmacht. Ich konnte nicht beeinflussen, dass das Pächterehepaar nicht mehr zahlen konnte. Ich konnte nicht beeinflussen, dass mein letzter Lohn ausstand. Ich konnte nicht beeinflussen, dass keine neue Stelle auf mich wartete. Ich konnte nicht beeinflussen, dass wir gerade erst angekommen waren und plötzlich wieder alles infrage stand.
Aber ich konnte nach Mailand fahren. Und ich konnte meinen Bruder nach Hause bringen. Das klingt lächerlich klein. War es aber nicht. Denn wenn ringsum alles unsicher wird, kann eine kleine selbst gewählte Aufgabe plötzlich eine enorme Bedeutung bekommen. Sie gibt dem Kopf eine Richtung. Dem Körper Bewegung. Den Nerven einen Auftrag. Und dem Leben für ein paar Stunden einen Anfang und ein Ende. Vielleicht war diese Nacht deshalb so energetisch. Ich war nicht mehr die Frau, deren Existenz gerade aus den Fugen geriet. Ich war die Frau am Steuer. Ich hatte ein Ziel. Und ich würde es erreichen.
Vielleicht ist Hyperfokus manchmal auch ein Rettungsboot
Heute denke ich über solche Momente anders nach. Was ich damals einfach als meinen Tatendrang erlebt habe, würde ich heute auch als eine besondere Form von Hyperfokus erkennen. Wenn etwas plötzlich Bedeutung bekommt, kann die Welt um einen herum erstaunlich klar werden. Das Problem bleibt. Aber für einen Moment bekommt es Konkurrenz. Der Schnee ist da. Die Straße ist da. Das Lenkrad ist da. Das Ziel ist da. Und plötzlich ist nicht mehr die ganze Zukunft auf dem Beifahrersitz. Nur ein fremder Mensch. Und hinten mein Bruder im grünen Deckchair. Vielleicht war das die eigentliche Weihnachtsgeschichte. Nicht, dass alles gut war. Es war überhaupt nicht alles gut. Im Gegenteil. Eine Kündigung lag auf dem Tisch. Das Geld fehlte. Eine berufliche Perspektive war nicht in Sicht. Unser gerade erst aufgebautes Leben stand wieder auf wackligen Beinen. Aber für diese eine Nacht war ich nicht machtlos. Ich war unterwegs. Und manchmal ist das der erste Schritt zurück ins eigene Leben.
Was bleibt
Wir denken oft, dass große Veränderungen große Lösungen brauchen. Einen neuen Job. Einen Umzug. Eine Entscheidung. Einen Plan. Eine Rettung. Heute glaube ich, dass Veränderung manchmal viel kleiner beginnt. Mit einer Pizza. Mit einem Italienischkurs. Mit einer Freundschaft. Mit einem Bruder, der aus Mailand abgeholt werden muss. Mit einem grünen Deckchair, der eigentlich gar nicht auf die Laderampe gehört. Mit einer Fahrt durch einen Schneesturm. Und mit dem trotzigen Gedanken: Wir stoßen gemeinsam an. Vielleicht ist das der Grund, warum ich diese Geschichte bis heute so liebe. Sie war kein Happy End. Noch nicht. Sie war nur ein kleiner Sieg. Aber manchmal reicht ein kleiner Sieg, um wieder Energie zu bekommen. Man hat etwas geschafft. Eine Challenge gemeistert. Einmal nicht ausgeliefert gewesen. Einmal selbst das Steuer in der Hand gehabt. Und vielleicht muss man gar nicht immer sofort wissen, wie das ganze Leben weitergeht. Manchmal reicht es, den nächsten Wegabschnitt zu sehen. Zwei Meter Sicht. Mehr hatten wir in dieser Nacht ohnehin nicht. Und vielleicht war genau das genug.
