Ich mag den Sommer. Wirklich. Ich mag warme Haut, nackte Füße, offene Fenster, den Geruch von heißem Holz und dieses goldene Licht, das selbst einen völlig gewöhnlichen Dienstag aussehen lässt, als hätte jemand einen italienischen Film darübergelegt.

Aber eines habe ich inzwischen gelernt: Mein Körper ist kein Grillgut. Und deshalb gibt es bei mir bei einer Hitzewelle eine ziemlich klare Regel: Nur nicht in die Mittagssonne. Das klingt zunächst wenig spektakulär. Ist aber erstaunlich wirksam. Ich muss bei 34 Grad nicht beweisen, dass ich leistungsfähig bin. Ich muss auch nicht um zwölf Uhr mittags mit hochrotem Kopf durch die Stadt marschieren, während mein Kreislauf innerlich bereits die Kündigung vorbereitet. Meine persönliche Sommerstrategie ist deshalb weniger „Durchhalten“ und mehr kluges Ausweichen.
Mein wichtigstes Sommer-Accessoire: Schatten
Ich suche mir ein schattiges Plätzchen. Nicht irgendwann. Sondern bevor ich merke, dass ich eines brauche. Ein Baum ist dabei für mich eine Art natürliche Klimaanlage mit deutlich besserem Design. Unter seinem Blätterdach wird das Licht weich, die Luft fühlt sich anders an und plötzlich ist die Welt ein paar Dezibel leiser. Ich liebe diesen Moment, wenn man aus der grellen Sonne in den Schatten tritt. Die Augen entspannen sich. Die Haut atmet auf. Der Kopf wird klarer. Und man denkt: Ach ja. So war das mit der Zivilisation eigentlich gemeint.
Baumwolle auf der Haut – bitte einmal Sommer ohne Plastikfolie
Im Sommer möchte ich möglichst wenig Stoff zwischen Haut und Luft. Lockere Baumwollkleidung ist deshalb mein persönlicher Dauerbrenner: weich, luftig, unkompliziert. Nichts, was zwickt, klebt oder sich bei 32 Grad anfühlt wie eine persönliche Sauna mit Reißverschluss. Ich mag Kleidung, die mit dem Körper mitgeht. Ein luftiges Kleid. Eine weite Hose. Ein leichtes Baumwollshirt. Und wenn sich der Stoff beim kleinsten Windhauch bewegt, ist das bereits halbe Klimaanlage.
Meine Wohnung bekommt einen Sommermodus

Auch meine Räume müssen nicht gegen die Sonne kämpfen. Ich lasse die hellen Baumwollvorhänge dort zu, wo die Sonne direkt hineinscheint. Nicht komplett abdunkeln – dafür mag ich Tageslicht viel zu sehr –, sondern dimmen. Das Licht wird milchiger. Die Konturen werden weicher. Der Raum bekommt diese wunderbare sommerliche Ruhe, die irgendwo zwischen mediterranem Innenhof und sehr gut erzogenem Schattenplatz liegt. Und wenn sich der Vorhang im Luftzug bewegt, bin ich kurz davor, dafür Eintritt zu verlangen.
Mein Kopf bekommt Sonderbehandlung
Bei Hitze merke ich ziemlich schnell: Der Kopf möchte keine Heldengeschichte. Er möchte Kühlung. Ein kühles Tuch im Nacken. Wasser über Hände und Unterarme. Ein feuchter Waschlappen auf Stirn oder Nacken. Haare aus dem Gesicht. Herrlich. Manchmal braucht es erstaunlich wenig, um aus „Ich schmelze“ wieder „Ich bin ein Mensch“ zu machen. Und natürlich gehört Trinken dazu – regelmäßig, nicht erst dann, wenn der Körper bereits mit imaginären Morsezeichen nach Wasser ruft.
Essen: leicht, aber bitte nicht langweilig
Ich habe generell wenig Lust auf Essen, das drei Stunden später noch im Magen sitzt und dort offensichtlich eine Revolte plant. Ich bevorzuge leichte, gut verträgliche Mahlzeiten, die den Organismus unterstützen. Proteine ja – aber so, dass sie angenehm verdaulich bleiben. Dazu gehören Eier, Gemüse, Kräuter, Quark, Joghurt. Fette ebenfalls, aber nicht als olympische Disziplin. Ein gutes Olivenöl, Kokosöl. Mandeln und Sesam. Was eben individuell bekommt. Für mich bedeutet Sommeressen nicht Verzicht. Im Gegenteil. Es darf intensiv schmecken, nur eben nicht schwer sein und plötzlich schmeckt selbst ein sehr heißer Tag wieder nach Leben.
Bewegung? Ja.
Ich bewege mich auch bei Hitze. Nur anders. Fließender. Früher. Später. Sanfter. Ein Spaziergang am Morgen. Dehnen. Ein bisschen Tai Chi. Radfahren, solange die Luft noch freundlich ist.
Meine goldene Uhr beginnt am Abend
Und dann kommt mein Lieblingsmoment. Der Abend. Die Sonne steht tiefer. Die Luft wird weicher. Die Schatten werden länger und plötzlich bekommt selbst eine Hauswand eine gewisse Schönheit. Jetzt darf Sonne wieder sein. Ich liebe ein Sonnenbad am späten Nachmittag oder Abend, wenn die Hitze nicht mehr auf der Haut liegt wie eine schwere Decke. Dann kann ich durch den Wald radeln oder eine Runde flanieren. Die Füße hochlegen und einfach gar nichts tun ist nicht mein Ding.
Mein persönlicher Hitzewellen-Plan
Wenn die Temperaturen hochgehen, denke ich deshalb nicht zuerst: Was muss ich alles schaffen? Sondern: Was braucht mein Körper heute, damit er im Flow bleibt? Schatten. Wasser. Luft. Leichte Kleidung. Leichtes Essen. Ein kühler Kopf. Sanfte Bewegung. Gedimmtes Licht. Die anstrengenden Dinge erledige ich möglichst am Morgen oder später am Abend. Die Mittagssonne darf derweil ohne mich stattfinden. Sie wird auch ohne meine Anwesenheit weiter scheinen. Das ist eine Erkenntnis, die erstaunlich befreiend ist.
Höchstform sieht im Sommer anders aus
Vielleicht ist das überhaupt mein wichtigster Sommergedanke: Höchstform bedeutet nicht, bei jeder Temperatur gleich zu funktionieren. Höchstform bedeutet, den eigenen Rhythmus zu kennen. Zu merken, wann Energie da ist und wann der Körper eine Pause verlangt. Ich möchte den Sommer nicht besiegen. Ich möchte ihn genießen. Mit allen Sinnen. Die warme Haut. Den Duft von Wildblumen. Baumwolle auf der Haut. Kaltes Wasser an den Handgelenken. Das Rascheln der Vorhänge. Den ersten Wind am Abend. Das goldene Licht auf der Haut. Und irgendwo dazwischen mein kleines, sehr ernst gemeintes Sommer-Mantra:
Nur nicht in die Mittagssonne.
Der Rest darf fließen. Das Chi darf schwitzen. Ich darf langsam werden. Und abends, wenn die Sonne endlich freundlich geworden ist, bin ich wieder da.
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