Vielleicht ist Planung überschätzt. Dieser Satz ist für Menschen, die Kalender lieben, ungefähr so angenehm wie ein Krümel im Bett. Planung gilt als Tugend. Organisation als Zeichen von Professionalität. Große Ziele brauchen große Strategien, Meilensteine, Roadmaps, Excel-Tabellen, Projektpläne und vermutlich irgendwo noch ein Gantt-Diagramm, das aussieht wie der Fahrplan einer Raumstation.

Ich habe nichts gegen Planung. Aber ich misstraue dem Gedanken, dass ein Mensch erst dann etwas Großes bewegen kann, wenn er es vorher vollständig geplant hat. Vielleicht funktioniert es manchmal genau andersherum. Vielleicht reicht zunächst etwas viel Unspektakuläreres: ein klares Warum, ein konkretes Ziel und die Fähigkeit zu spüren, wann es Zeit ist, loszugehen. Der Rest entsteht unterwegs. Nicht immer. Aber erstaunlich oft. Und gerade als Soloselbstständige frage ich mich inzwischen: Ist meine Ungeduld tatsächlich eine Schwäche? Oder ist sie manchmal ein ziemlich gutes Frühwarnsystem?
Der Moment, in dem Planung aufhört
Ich kenne diese Momente. Eine Idee taucht auf. Zunächst ist sie kaum mehr als ein Gedanke. Ein Bild. Ein Satz. Eine Beobachtung am Wegesrand. Und plötzlich steht da ein ganzes System. Nicht als fertiger Businessplan, sondern als innere Landschaft. Ich sehe Zusammenhänge. Möglichkeiten. Menschen. Materialien. Räume. Geschichten. Produkte. Wege. Mein Kopf beginnt nicht unbedingt linear zu arbeiten. Er arbeitet eher wie ein Flussdelta. Ein Gedanke teilt sich. Der nächste mündet irgendwo anders. Drei scheinbar völlig verschiedene Themen verbinden sich. Und irgendwann denke ich: Natürlich. Das ist es. Dann brauche ich keinen Motivationskalender. Dann brauche ich eigentlich nur noch eine Möglichkeit, den inneren Strom in die äußere Welt zu übersetzen. Das klingt romantischer, als es ist. Denn natürlich hat das auch eine Schattenseite. Ein einzelner Mensch verfügt nun einmal nur über begrenzte Zeit, Energie, Aufmerksamkeit, Geld und körperliche Ressourcen. Die Realität ist manchmal bodenständig: Auch eine fantastische Idee muss irgendwann gegessen, bezahlt, programmiert, gebaut, geschrieben, verschickt oder gepflegt werden. Die Welt fragt nicht, wie inspirierend ich mein Vorhaben finde. Sie möchte eine funktionierende Rechnung.
Größenwahn oder Größenordnung?
Und dann ist da diese unangenehme Frage: Ist es Größenwahn, als Einzelunternehmerin etwas erreichen zu wollen, das eigentlich die Kapazität eines ganzen Teams voraussetzt? Vielleicht. Aber vielleicht ist die interessantere Frage: Was genau ist eigentlich „zu groß“? Ein Ziel kann größer sein als die gegenwärtig vorhandenen Mittel. Das ist zunächst keine Katastrophe. Es ist eine Information. Wenn ich etwas bauen möchte, für das meine aktuellen Ressourcen noch nicht reichen, habe ich verschiedene Möglichkeiten: Ich kann das Ziel kleiner machen. Keine Option. Ich kann meine Ressourcen vergrößern. Ich kann Kooperationen eingehen. Ich kann technische Systeme einsetzen. Ich kann Aufgaben delegieren. Ich kann mich mit Menschen verbinden, deren Fähigkeiten meine ergänzen. Oder ich kann feststellen, dass eine andere Idee besser trägt. Das ist der entscheidende Punkt: Ein großes Ziel verlangt nicht zwingend einen großen Plan. Es verlangt eine ehrliche Prüfung der Mittel. Das ist etwas anderes.
Was wirklich zielführend ist
Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass Organisation darin besteht, möglichst viele Dinge zu organisieren. Im Gegenteil. Die bessere Frage lautet: Was muss überhaupt organisiert werden? Manche Vorhaben brauchen hochpräzise Strukturen. Andere brauchen Freiheit. Manche Menschen funktionieren mit Routinen. Andere mit visuellen Systemen. Manche brauchen Kalender. Andere eine einzige Notiz auf einem Blatt Papier. Es gibt lineare Organisation, zyklische Organisation, projektbezogene Organisation, spontane Organisation, soziale Organisation und – mein persönlicher Favorit – die Organisation durch einen ausreichend starken inneren Grund. Das klingt zunächst verdächtig nach Esoterik. Ist es aber nicht. Ein Warum ist kein Hokuspokus. Es ist eine Entscheidungshilfe. Wenn ich weiß, warum ich etwas tue, kann ich unterwegs viel leichter entscheiden, was ich nicht tue. Und plötzlich wird Planung interessant. Nicht als Korsett. Sondern als Filter.
Mein Warum ist kein Vision Board
Mein Warum ist ziemlich bodenständig. Der Boden, auf dem ich jeden Tag gehe, soll atmen können. Er braucht Wasser. Er braucht Schutz vor extremer Sonneneinstrahlung. Er braucht Vegetation. Der Geist braucht ebenfalls Luft. Der Kopf möchte lernen, entdecken, beobachten, verstehen. Deshalb gehe ich am Rhein entlang. Seit vielen Jahren. Inzwischen bin ich im sechzehnten Jahr am Rheinufer. Und jedes Jahr ist anders. Das ist vielleicht meine persönlichste Form von Forschung. Ich mache meinen Reviercheck. Wie geht es den Bäumen? Wie geht es dem Boden? Wo entsteht Stress? Wo fehlt Wasser? Wo ist die Sonneneinstrahlung besonders brutal? Wo verändert sich die Vegetation? Was kommt zurück? Was verschwindet? Was überrascht mich? Das klingt beinahe banal. Aber genau darin steckt für mich eine ziemlich radikale Form von Aufmerksamkeit.
Der Rhein als lebendes Planungssystem
Im Sommer 2026 ist der Rhein erneut zu einem ziemlich deutlichen Lehrmeister geworden. Niedrigwasser macht Landschaft sichtbar, die sonst verborgen bleibt. Ich gehe am Fluss entlang und sehe nicht nur Wasserstand. Ich sehe ein System unter Stress. Und dann passiert etwas, das mich immer wieder verblüfft. Nach einer langen Dürreperiode beginnt sich auf dem trockenen Boden ein grüner Teppich auszubreiten. Noch zart. Noch nicht genug, um Schatten zu spenden. Noch nicht stark genug, um das große Versprechen einzulösen. Aber er ist da. Einzelne Pflanzen. Kleine Inseln. Ein Anfang. Und plötzlich ist dieser Anblick für mich eine ziemlich gute Metapher für Unternehmertum. Denn Wachstum sieht selten am Anfang nach Wachstum aus. Es sieht nach Unkraut aus. Nach einem unfertigen Projekt. Nach einer Idee, die niemand versteht. Nach drei kleinen Pflanzen auf einem riesigen trockenen Stück Boden. Und dann kommt jemand vorbei und fragt: „Aber ist das schon etwas?“ Nein. Vielleicht noch nicht. Aber es könnte etwas werden.
Die alte Dame in der Sonne
Eine Szene habe ich dabei besonders im Kopf. Eine ältere Dame sitzt mittags auf einer Bank. Die Sonne brennt. Sie stöhnt: „Ist das heiß.“ Ich denke: Warum sitzt sie dann in der Sonne? Und genau darin steckt eigentlich eine ganze kleine Philosophie. Wir wissen vieles. Aber Wissen allein verändert noch kein Verhalten. Wir brauchen Wahrnehmung. Wir müssen merken, dass etwas nicht funktioniert. Der Körper ist manchmal schneller als der Kopf. Er sagt: Zu heiß. Zu trocken. Zu viel. Pause. Schatten. Wasser. Und vielleicht sollten wir auch unsere Unternehmen gelegentlich so betrachten. Nicht nur fragen: Was steht im Plan? Sondern: Wie fühlt sich das System gerade an?
Der Körper als Frühwarnsystem
Soloselbstständigkeit zwingt einen geradezu dazu, die eigenen Ressourcen ernst zu nehmen. Ich bin gleichzeitig Redaktion, Strategie, Recherche, Produktion, Technik, Vertrieb, Buchhaltung und gelegentlich IT-Notdienst. Das ist nicht unbedingt ein Organisationsproblem. Es ist zunächst ein Kapazitätsproblem. Und Kapazitätsprobleme löst man nicht mit noch mehr To-do-Listen. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Wenn ein Mensch zehn Aufgaben gleichzeitig erledigen soll, kann eine bessere Liste zwar helfen. Sie macht aber aus einem Menschen keine zehn Menschen. Irgendwann braucht es andere Lösungen: Technik, Automatisierung, Kooperation, Outsourcing, Priorisierung oder schlicht die Entscheidung, etwas nicht zu machen. Organisation ist Ressourcenarchitektur. Und plötzlich ist Planung wieder sinnvoll. Aber anders. Nicht: „Was mache ich alles?“ Sondern: „Wofür setze ich meine begrenzte Energie ein?“
Und dann ist da dieses Dopamin
Es hat sich herumgesprochen, dass ADHS irgendetwas mit Dopamin zu tun hat. Ja. Aber die populäre Erklärung „Menschen mit ADHS können Dopamin nicht selbst herstellen“ ist zu simpel. Die aktuelle Forschung beschreibt vielmehr komplexe Veränderungen in dopaminergen Systemen, unter anderem bei Belohnungsverarbeitung, Motivation und der Reaktion auf Anreize. Das gefällt mir. Weil die Wirklichkeit komplizierter ist. Und weil Dopamin offenbar viel weniger der kleine Glückskobold ist, als die sozialen Medien gerne erzählen. Es geht unter anderem um Motivation, Annäherung, Aufwand, Lernen und die Bereitschaft, Energie in eine Handlung zu investieren. Und genau das erkenne ich in meinen eigenen Arbeitsprozessen wieder. Manchmal brauche ich keinen riesigen Motivationsschub. Ein Funke reicht. Fünf Minuten Hype. Ein Gedanke. Ein gutes Gespräch. Ein Bild. Ein Satz. Ein Spaziergang. Und plötzlich ist das System hochgefahren. Nicht weil ich mir einrede, dass ich jetzt „manifestiere“. Sondern weil mein Gehirn einen relevanten Zusammenhang erkannt hat. Das ist wichtig. Das will ich. Das könnte funktionieren. Los.
Der Funke und das trockene Laub
Vielleicht ist das die eigentliche Organisationsform, die ich gesucht habe. Nicht permanentes Hochleistungsmanagement. Sondern Funkenmanagement. Ich muss nicht jeden Tag brennen. Das wäre ohnehin eine ziemlich schlechte Überlebensstrategie. Ich muss wissen, was brennen soll. Und ich muss erkennen, wann ich Feuer habe. Dann nutze ich die Höchstform. Ich arbeite konzentriert. Schnell. Verzweigt. Mit hoher Energie. Und danach kommt die Ruhephase. Nicht als Versagen. Als Teil des Systems. Denn auch ein Wald besteht nicht aus einem einzigen permanenten Flächenbrand. Zum Glück.
Vielleicht ist Ruhe produktiver als Planung
Das ist eine der Erkenntnisse, die ich immer wieder vergesse: Nicht jede Phase muss produktiv aussehen. Manchmal ist die wichtigste Tätigkeit Beobachtung. Ein Spaziergang am Rhein. Ein Blick auf den Boden. Ein Gespräch. Eine Nacht ohne Projektgedanken. Ein Tag, an dem nichts Großes passiert. Und dann kommt plötzlich der Zusammenhang. Das ist keine romantische Verklärung von Untätigkeit. Es ist schlicht menschliche Kognition. Wir verarbeiten nicht nur am Schreibtisch. Wir denken beim Gehen. Beim Beobachten. Beim Sortieren. Beim Schlafen. Beim Nichtstun. Vielleicht sollte man deshalb manche Planung nicht auf Papier machen. Sondern im Körper.
Der Sommer 2026 als Feuertaufe
Der Sommer 2026 fühlt sich für mich wie eine Art Prüfung an. Für Materie. Für Städte. Für Wälder. Für Böden. Für Unternehmen. Und auch für den eigenen Geist. Was hält? Was gibt nach? Was muss verändert werden? Was war falsch konstruiert? Was war erstaunlich resilient? Und welche kleinen Dinge wachsen dort, wo man sie nicht erwartet hätte? Das ist für mich die interessantere Frage als: „Habe ich alles richtig geplant?“ Denn wahrscheinlich werde ich nie alles richtig planen. Niemand kann das. Nicht angesichts von Klima, Märkten, Technologie, gesellschaftlichen Veränderungen und dem ganz normalen Chaos eines menschlichen Lebens. Wir planen mit dem Wissen von gestern für eine Zukunft, die wir noch nicht kennen. Das ist ein ziemlich absurdes Unterfangen. Und gleichzeitig unvermeidlich.
5 nach 12 – und trotzdem nicht zu spät
Die Zahlen sehen düster aus. Seit Jahrzehnten begleite ich Forschungsprognosen zum Klima. Seit Jahrzehnten steht das Thema in meiner inneren Agenda. Manchmal fühlt es sich an wie „fünf nach zwölf“. Und trotzdem glaube ich nicht an die produktive Variante des Weltuntergangs. Panik ist keine Strategie. Angst kann Aufmerksamkeit erzeugen. Aber sie kann Aufmerksamkeit auch verschlingen. Was mich interessiert, ist etwas anderes: Was können wir jetzt tun? Wie schaffen wir Schatten? Wie halten wir Wasser im System? Wie kühlen wir Städte? Wie schützen wir Böden? Wie verändern wir Räume? Wie bauen wir widerstandsfähiger? Wie lernen wir wieder, dass Natur kein dekoratives Extra unserer Zivilisation ist? Bäume beispielsweise kühlen nicht nur durch Schatten. Über die Evapotranspiration geben sie Wasser an die Atmosphäre ab und können dadurch die Umgebungstemperatur beeinflussen. Gleichzeitig hängt dieser Effekt stark von Standort, Wetter, Tageszeit und Wasserverfügbarkeit ab. Das ist für mich eine wunderschöne Erinnerung daran, dass Systeme zusammengehören. Wasser. Boden. Pflanze. Luft. Temperatur. Mensch. Stadt. Wirtschaft. Alles hängt miteinander zusammen.
Vielleicht ist das meine Form von Planung
Ich habe inzwischen weniger Interesse daran, mein ganzes Leben zu planen. Ich möchte wissen: Warum? Wohin? Was ist der nächste sinnvolle Schritt? Und: Habe ich gerade die Energie dafür? Mehr brauche ich erstaunlich oft nicht. Das bedeutet nicht, dass ich keine Strukturen brauche. Im Gegenteil. Ich brauche Strukturen, die zu meiner Arbeitsweise passen. Eine Struktur darf mich tragen. Sie darf mich aber nicht strangulieren. Ich brauche Ziele, die klar genug sind, um Entscheidungen zu ermöglichen, aber offen genug, damit die Realität noch hineinpasst. Ich brauche Routinen, die mir Energie sparen, aber keine Routinen, die mein Denken ersetzen. Und ich brauche Menschen, Systeme und Werkzeuge, wenn die Größe eines Vorhabens meine individuelle Kapazität übersteigt. Denn auch das gehört zur Größe: zu erkennen, wann man allein nicht weiterkommt.
Soloselbstständig heißt nicht solitär
Vielleicht ist das überhaupt der wichtigste Satz. Soloselbstständig bedeutet nicht, alles allein zu machen. Es bedeutet zunächst, dass die Verantwortung an einer Person zusammenläuft. Das ist etwas anderes. Ein Unternehmen kann aus einer Person bestehen und trotzdem ein Netzwerk sein. Technologie kann Mitarbeiter ersetzen, wo sie sinnvoll ist. Menschen können Fähigkeiten ergänzen. Kooperationen können Möglichkeiten schaffen, die allein nicht existieren. Und eine gute Idee darf größer sein als die Person, die sie zuerst ausspricht. Vielleicht muss sie sogar größer sein. Denn wenn wir nur das planen, was mit den heutigen Mitteln problemlos möglich ist, produzieren wir vor allem Varianten des Bekannten. Innovation beginnt häufig dort, wo die vorhandenen Mittel nicht ganz reichen.
Mein persönliches Organisationsprinzip
Ich glaube deshalb inzwischen an eine ziemlich kleine Formel: Warum. Ziel. Reviercheck. Funke. Fokus. Ruhe. Das Warum entscheidet. Das Ziel gibt Richtung. Der Reviercheck zeigt, was sich tatsächlich verändert. Der Funke setzt Energie frei. Der Fokus verhindert, dass ich gleichzeitig fünf Fußballfelder bepflanzen möchte. Und die Ruhe sorgt dafür, dass ich nicht selbst zum ausgetrockneten Boden werde. Das ist vielleicht keine perfekte Managementmethode. Aber sie funktioniert für mich. Und vielleicht muss eine Organisationsform genau das leisten: nicht perfekt sein. Sondern funktionieren.
Was wächst dort, wo es unmöglich aussieht?
Ich gehe weiter am Rhein entlang. Das Wasser ist niedrig. Der Boden ist trocken. Die Sonne ist unerbittlich. Und irgendwo zwischen verdorrten Ästen und freigelegtem Flussbett wächst etwas Grünes. Noch klein. Noch verletzlich. Noch ohne Schatten. Aber lebendig. Vielleicht ist das der Moment, an dem ich meine eigene Ungeduld etwas anders betrachte. Vielleicht bin ich nicht grundsätzlich schlecht darin, große Pläne zu schmieden. Vielleicht bin ich einfach besser darin, große Richtungen zu erkennen. Und dann loszugehen. Ich weiß inzwischen, dass meine Mittel begrenzt sind. Meine Zeit. Meine Aufmerksamkeit. Meine körperliche Energie. Mein Geld. Meine Kapazität. Aber das bedeutet nicht, dass auch meine Vorstellungskraft begrenzt sein muss. Ein großes Warum darf größer sein als die gegenwärtigen Möglichkeiten. Dann muss ich nur ehrlich bleiben. Nicht größenwahnsinnig. Nicht kleinmütig. Nicht blind euphorisch. Sondern wach. Ich möchte wissen, was möglich ist. Und gleichzeitig spüren, wann etwas nicht funktioniert. Ich möchte große Ideen haben und kleine Schritte machen. Ich möchte Höchstform nutzen und Ruhe nicht als Niederlage betrachten. Ich möchte wissenschaftliche Erkenntnisse ernst nehmen und trotzdem staunen können.
Und vor allem möchte ich bei aller Ernsthaftigkeit den Humor nicht verlieren. Denn wenn wir schon versuchen, einen Planeten zu reparieren, sollten wir wenigstens gelegentlich über unsere Excel-Tabellen lachen. Mein Warum kenne ich. Den Rest finde ich unterwegs heraus. Mit Erfahrung. Mit Vertrauen. Mit einem guten Bauchgefühl. Und mit diesem kleinen Funken, der manchmal genügt, um auf trockenem Boden etwas Neues wachsen zu lassen.
Start With Why – Simon Sinek, 11,17 €
Simon Sinek zeigt, warum erfolgreiche Ideen, Unternehmen und Bewegungen nicht beim Produkt beginnen, sondern beim Warum. Das Buch passt deshalb unmittelbar zu meinem Gedanken, dass ein klares Warum oft wertvoller ist als ein perfekter Plan. Besonders für Soloselbstständige ist diese Perspektive interessant, weil das Warum zum Filter für Projekte, Kooperationen und Entscheidungen werden kann. Es hilft dabei, zwischen „Das könnte ich machen“ und „Das gehört wirklich zu mir“ zu unterscheiden. Für mich ist es deshalb die passende Lektüre für den ersten Schritt: Warum will ich überhaupt losgehen?
Essentialism – Greg McKeown 10,97 €
Greg McKeown beschäftigt sich mit einer Frage, die für kreative Menschen ziemlich unbequem sein kann: Was ist wirklich wichtig? Statt immer mehr Aufgaben, Projekte und Möglichkeiten anzuhäufen, plädiert er für bewusste Auswahl und Konzentration. Das passt hervorragend zu meinem Gedanken, dass Organisation nicht bedeutet, möglichst viel zu organisieren. Gerade wenn ständig neue Ideen auftauchen, kann die Fähigkeit, bewusst etwas wegzulassen, zur eigentlichen Superkraft werden. Ein Buch für alle, die nicht noch effizienter werden wollen, sondern endlich herausfinden möchten, wofür sich Effizienz überhaupt lohnt.
The Creative Act: A Way of Being – Rick Rubin, 15,19 €
Rick Rubin betrachtet Kreativität weniger als Methode und mehr als eine besondere Form der Wahrnehmung. Das gefällt mir, weil kreative Prozesse häufig nicht linear funktionieren und eine Idee selten nach einem sauber nummerierten Fünf-Schritte-Plan auftaucht. Sein Buch lädt dazu ein, aufmerksam zu beobachten, Zusammenhänge wahrzunehmen und dem eigenen kreativen Impuls Raum zu geben. Genau hier liegt für mich der Funke, der manchmal wichtiger ist als die hundertste Produktivitätsroutine. Eine inspirierende Lektüre für alle, die Kreativität nicht erzwingen, sondern ihre Antennen dafür besser ausrichten möchten.
Four Thousand Weeks – Oliver Burkeman, 10,99 €
Oliver Burkeman stellt den modernen Produktivitätswahn ziemlich elegant auf den Kopf: Unsere Lebenszeit ist begrenzt, und wir werden niemals alles erledigen können. Das klingt zunächst ernüchternd, kann aber erstaunlich befreiend sein. Für Soloselbstständige ist dieser Gedanke besonders wertvoll, weil auch die beste Organisation keine zusätzlichen Stunden, Nerven oder Energie produziert. Das Buch unterstützt deshalb meinen Gedanken, dass Kapazität ein ebenso wichtiger Faktor wie Planung ist. Wer akzeptiert, dass nicht alles möglich ist, kann bewusster entscheiden, was tatsächlich wichtig ist.
Thinking in Systems – Donella H. Meadows, ab 21,99 €
Donella H. Meadows zeigt, wie Systeme funktionieren und warum einzelne Probleme selten isoliert betrachtet werden können. Genau das entspricht meinem Blick auf Rhein, Stadt, Klima, Boden, Wasser, Vegetation und menschliche Lebensräume. Eine Veränderung an einer Stelle kann an anderer Stelle überraschende Folgen haben – und manchmal entstehen Lösungen genau dort, wo unterschiedliche Bereiche miteinander verbunden werden. Das Buch liefert deshalb einen starken wissenschaftlichen Unterbau für meinen Gedanken des Revierchecks. Es schärft den Blick dafür, nicht nur einzelne Symptome zu betrachten, sondern die Beziehungen zwischen den Dingen.
Braiding Sweetgrass – Robin Wall Kimmerer, ab 9,49 €
Robin Wall Kimmerer verbindet botanisches Wissen mit persönlichen Erfahrungen und indigenen Perspektiven auf die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Besonders faszinierend ist dabei die Vorstellung, Natur nicht lediglich als Ressource oder schöne Kulisse zu betrachten. Pflanzen, Böden, Wasser und Menschen erscheinen vielmehr als Teile eines lebendigen Beziehungsgeflechts. Das passt unmittelbar zu meinem persönlichen Reviercheck am Rhein und zu der Frage, was eine Landschaft uns eigentlich mitteilt. Ein Buch für alle, die Natur nicht nur anschauen, sondern anders wahrnehmen lernen möchten.
Die Entdeckung der Langsamkeit – Sten Nadolny, ab 5,49 €
Sten Nadolnys Roman ist kein Produktivitätsratgeber – und genau deshalb gehört er für mich in diese Liste. Die Geschichte stellt unsere beinahe automatische Gleichsetzung von Schnelligkeit und Leistungsfähigkeit infrage. Sie erinnert daran, dass genaues Beobachten, Geduld und langsames Denken ebenfalls Fähigkeiten sein können. Damit berührt das Buch meinen letzten Punkt: Ruhe ist nicht das Gegenteil von Produktivität, sondern kann deren Voraussetzung sein. Eine wunderbare literarische Einladung, das eigene Tempo gelegentlich nicht am Kalender, sondern am eigenen Denken auszurichten.
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