Heute habe ich im Flussbett einen grünen Teppich entdeckt. Nicht den dekorativen, den jemand geplant, bestellt und mit Bewässerungssystemen am Leben gehalten hat. Sondern einen, der einfach da war.
Gestern noch trockene Erde, Steine, Risse, Staub – die Hinterlassenschaften eines Sommers, der mit Hitzestress nicht gerade gegeizt hat. Dann ein paar Regentage. Und plötzlich: Grün. Dicht, saftig, beinahe übermütig. Portulak. Eine Pflanze, die offenbar beschlossen hat, sich von unseren Vorstellungen über Vegetation nicht weiter beeindrucken zu lassen. Ich bleibe stehen. Die kleinen fleischigen Blätter glänzen, die rötlichen Stängel liegen flach über dem Boden. Nichts an dieser Pflanze wirkt prätentiös. Sie wächst nicht in die Höhe, sie macht sich breit. Flächennutzungspläne sind ihr offensichtlich relativ schnuppe. Ich frage mich: Was ist das für eine Pflanze, die scheinbar aus dem Nichts emporsteigt? Meine Neugier ist geweckt.
Die Natur hat offenbar ein paar gute Ideen
Portulak – Portulaca oleracea – ist eine jener Pflanzen, die polarisiert. Für den einen ist er lästiges Beikraut, für den anderen ein Gemüse, für den nächsten eine Delikatesse. Botanisch ist er eine sukkulente Pflanze, deren fleischige Blätter und Stängel Wasser speichern können. Hitze und Trockenheit sind für ihn deshalb keine Einladung zum Rückzug. Im Gegenteil: Portulak gehört zu jenen Pflanzen, die unter warmen Bedingungen erstaunlich vital bleiben können. (ScienceDirect)
Und dann regnet es. Ein paar Tage Wasser – und aus dem scheinbar erschöpften Boden des Flussbetts wird eine grüne Bühne. Das hat etwas Überraschendes und Beruhigendes zugleich. Wir diskutieren über Klimaanpassung, Resilienz, neue Landwirtschaft und die Ernährung der Zukunft. Die Pflanze neben unseren Füßen hält derweil keine Konferenz ab. Sie macht einfach weiter. Vielleicht ist das eine Form von Anpassung: nicht gegen die Welt anzukämpfen, sondern ihre Bedingungen zu lesen.
Ein Gemüse mit Gedächtnis
Portulak ist keineswegs eine kulinarische Entdeckung unserer Gegenwart. Seine Geschichte reicht weit zurück. Bereits in der antiken griechischen Welt war die Pflanze bekannt; ethnobotanische Untersuchungen dokumentieren ihre Verwendung seit der Antike. Auch heute gehört sie in verschiedenen Regionen Europas, des Mittelmeerraums, des Nahen Ostens, Afrikas, Asiens und Amerikas zur traditionellen Küche. (ResearchGate) Das gefällt mir. Denn plötzlich wird aus dem vermeintlich unscheinbaren Kraut ein Stück Kulturgeschichte.
Die Griechen essen ihn mit Olivenöl, Tomate, Zwiebel, Knoblauch und Feta. In der Türkei landet er im Salat, wird gekocht oder mit Joghurt kombiniert. In Indien kennt man ihn unter anderem als kulfa und verarbeitet ihn zu traditionellen Gemüsegerichten. In Mexiko heißt er verdolagas und wird klassisch gekocht. In Teilen des Kaukasus und Armeniens wird Portulak sogar fermentiert beziehungsweise eingelegt. (ScienceDirect)
Ein erstaunliches Reisemuster für eine Pflanze, die bei uns gerne als Außenseiter behandelt wird.
Griechenland: Das Wilde gehört auf den Teller
Vielleicht lohnt sich ein Blick auf jene Küchen, in denen Wildpflanzen nie ganz aus dem kulinarischen Gedächtnis verschwunden sind.
Im Mittelmeerraum existiert eine alte Kultur des Sammelns essbarer Wildpflanzen. Dort ist Grün nicht zwangsläufig Salatkopfware aus dem Gemüseregal. Es kann bitter sein, säuerlich, zart, widerspenstig, manchmal ein wenig schleimig. Es darf Charakter haben. Portulak passt hervorragend in diese Welt. Seine Säure macht ihn zu einem natürlichen Gegenspieler von Fett und Süße. Seine fleischigen Blätter bringen Textur. Die leichte Schleimigkeit, die beim Garen stärker hervortritt, kann Suppen und Saucen Körper geben. Kulinarisch ist das keine Nebensache, sondern eine ziemlich raffinierte Eigenschaft. (ScienceDirect)
Man könnte sagen: Die Pflanze bringt ihre eigene Dramaturgie mit.
Indien: Kulfa und die Kunst, aus wenig viel zu machen
In Indien zeigt sich eine andere Seite des Portulaks. Als kulfa wird er traditionell gekocht und mit Gewürzen kombiniert. Aus einem unscheinbaren Wildgemüse wird so ein Gericht, das nach Chili, Knoblauch, Kreuzkümmel oder Koriander plötzlich ganz anders erzählt. Das ist für mich eine der großen Schönheiten traditioneller Küchen: Sie versuchen nicht unbedingt, eine Zutat zu überreden, jemand anderes zu sein. Sie hören ihr zu. Säure bekommt Schärfe. Grün bekommt Röstaromen. Saftigkeit bekommt Gewürz. Aus einer Pflanze, die auf trockenem Boden überlebt, entsteht ein Essen, das Wärme und Erde miteinander verbindet.
Der Geschmack des Einfachen
Unsere Gegenwart liebt das Außergewöhnliche. Je weiter eine Zutat gereist ist, desto interessanter scheint sie zu werden. Je komplizierter ihre Herkunft, desto größer der Erklärungsbedarf. Ein Blatt aus dem Himalaya bekommt vielleicht eine eigene Produktgeschichte, während ein Blatt vom Wegesrand höchstens als Unkraut gilt. Portulak stellt diese Werteskala ziemlich smart auf den Kopf. Er ist nicht selten. Er ist nicht exotisch. Er ist nicht schwierig zu finden. Wurde er deshalb vergessen? Ist das nicht eine merkwürdige Seite unserer modernen Ernährung? Wir haben eine enorme Auswahl und gleichzeitig ein erstaunlich kleines kulinarisches Gedächtnis. Wir essen immer mehr Sorten – und kennen immer weniger Pflanzen.
Vom Unkraut zum Restaurantteller
Es gibt einen Moment, in dem sich die Perspektive verändert. Eine Pflanze, die im Garten als störend gilt, erscheint auf einmal auf einer Menükarte. Plötzlich ist sie „wild“, „saisonal“, „regional“, „ursprünglich“. Der Teller bekommt eine Geschichte. Der Preis steigt. Ich kann darüber lachen. Und ich finde es gleichzeitig faszinierend. Denn die Renaissance alter Wildpflanzen erzählt auch etwas Positives: Spitzenküche und moderne Lebensmittelkultur beginnen wieder, Pflanzen ernst zu nehmen, die lange aus dem kulinarischen Kanon verschwunden waren. Portulak ist dabei kein exotischer Sonderfall, sondern Teil einer größeren Bewegung zurück zu vergessenen, regionalen und robusten Nahrungspflanzen. (PubMed Central (PMC))
Die Ironie bleibt allerdings köstlich: Was unsere Großmütter vielleicht einfach gekocht hätten, müssen wir heute erst wieder entdecken. Am besten mit einem Namen. Und einer Geschichte.
Das Gemüse, das den Klimawandel nicht kennt
Portulak hat keine Ahnung, dass wir 2026 über klimaresiliente Ernährungssysteme sprechen. Er kennt keine Nachhaltigkeitsberichte. Keine Lieferketten. Keine CO₂-Kompensation. Keine Panels über die Landwirtschaft der Zukunft. Er kennt Hitze. Er kennt Wasser. Er kennt Boden. Und er kennt den richtigen Augenblick. Gerade deshalb ist er interessant. Nicht als Wunderpflanze und schon gar nicht als neue Erlösungsreligion auf dem Teller. Eine einzelne robuste Art wird unsere Landwirtschaft nicht retten. Aber sie kann unseren Blick verändern. Welche Pflanzen kommen mit Hitze zurecht? Welche brauchen wenig Wasser? Welche wachsen dort, wo andere aufgeben?
Welche regionalen Nahrungspflanzen haben wir aus unserem Gedächtnis gelöscht? Das sind keine romantischen Fragen. Es sind ökonomische und ökologische Fragen. Und vielleicht irgendwann auch kulinarische.
Die Zukunft könnte sehr alt aussehen
Ich mag diesen Gedanken: Vielleicht sieht die Ernährung der Zukunft nicht futuristisch aus. Vielleicht sieht sie aus wie früher. Mehr Hülsenfrüchte. Mehr Wildpflanzen. Mehr Fermentation. Mehr regionale Sorten. Mehr saisonales Denken. Mehr Wissen darüber, was tatsächlich vor unserer Haustür wächst. Nicht als Rückwärtsbewegung. Eher als kulturelle Wiederaneignung. Denn Tradition ist nicht das Gegenteil von Innovation. Manchmal ist sie deren Rohmaterial.Der Portulak ist dafür ein wunderbares Beispiel. Er wird frisch gegessen, gekocht, eingelegt und in verschiedenen Kulturen fermentiert. In Armenien etwa gehört die Milchsäuregärung von Portulak zu dokumentierten traditionellen Verarbeitungsformen. (Frontiers)
Das ist bemerkenswert modern. Fermentation gilt heute als kulinarischer Trend, als mikrobiologische Zauberei für urbane Küchen und als Liebling der Food-Szene. Dabei haben Menschen seit Jahrhunderten einfach Gemüse haltbar gemacht. Die Bakterien waren schon da. Wir haben nur den Hashtag später erfunden.
Sofort pflücken?
Und hier endet die romantische Szene – zumindest vorläufig. Denn ein grüner Teppich im Flussbett ist noch kein Feinkostmarkt.
Die wichtigste Unterscheidung lautet: Eine Pflanze kann essbar sein und trotzdem an einem bestimmten Standort nicht für den Verzehr geeignet sein.
Das ist bei meinem Portulakfund entscheidend. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, Wildpflanzen nur dann selbst zu sammeln, wenn man sie sicher bestimmen kann; bei Unsicherheit soll man auf den Verzehr verzichten. Außerdem können Wildpflanzen mit unerwünschten Stoffen belastet sein oder mit anderen Arten verwechselt werden. (Bundesinstitut für Risikobewertung)
Und ein Flussbett ist nun einmal kein zertifizierter Kräutergarten. Dort können Sedimente, Abwässer, Straßenabfluss, frühere industrielle Nutzung oder andere Umweltbelastungen eine Rolle spielen. Ob eine Pflanze solche Stoffe aufgenommen hat, kann man ihr nicht ansehen. Deshalb würde ich meinen Fund nicht einfach ernten, waschen und fermentieren. Ich würde ihn beobachten. Fotografieren. Bestimmen. Vielleicht eine Pflanze aus kontrollierter Kultur besorgen und danebenstellen. Und wenn mich die Sache wirklich nicht loslässt: den Standort beziehungsweise Pflanzenmaterial fachgerecht untersuchen lassen. Das ist weniger romantisch. Aber sehr viel klüger.
Natur ist keine Speisekammer mit Etikett
Mein Entdeckergeist wird hier etwas gebremst. Vorsicht ist vielleicht angebracht. Kann ich die Pflanze bedenkenlos probieren? Oder lieber distanziert beobachten. Der Portulak im Flussbett muss nicht zwangsläufig auf meinem Teller landen, um mich zu interessieren. Er hat mir bereits etwas erzählt: über Regen nach Hitze, über Anpassung, über unsere verlorene Beziehung zu essbaren Pflanzen und über die erstaunliche Fähigkeit einer Landschaft, innerhalb weniger Tage ihr Gesicht zu verändern. Die Natur ist großzügig. Aber sie liefert keine Zutatenliste.
Ein säuerlicher kleiner Charakter
Und dann ist da natürlich noch der Geschmack. Wer Portulak aus einer sicheren Quelle kennt, weiß, dass dieses unscheinbare Gemüse kulinarisch durchaus eine eigene Stimme besitzt. Frisch ist es saftig, grün und leicht säuerlich; die Säure stammt unter anderem aus organischen Säuren wie Äpfel- und Oxalsäure. Beim Kochen verändert sich die Textur, die Pflanze wird weicher und bekommt mehr Körper. (ScienceDirect)
Ich würde ihn nicht mit einer Lawine aus Zutaten erschlagen. Gutes Olivenöl. Etwas Zitrone. Vielleicht Lauchzwiebeln. Eier. Pellkartoffeln. Joghurt. Pfeffer. Salz. Fertig ist ein lauwarmer Kartoffelsalat. Mehr braucht es manchmal nicht. Der Feinschmecker in mir liebt Lebensmittel, die keinen Übersetzungsdienst benötigen.
Ich liebe es, nach unten zu schauen
Der grüne Teppich im Flussbett ist für mich deshalb mehr als eine botanische Entdeckung. Er ist eine kleine Störung im gewohnten Denken. Wir laufen durch die Landschaft und sehen Wege, Häuser, Wasser, Bäume. Wir sehen das Große. Das Geplante. Das Nützliche. Und manchmal liegt das Interessanteste direkt darunter.
Ein paar fleischige Blätter. Rote Stängel. Gelbe Blüten. Eine Pflanze, die Trockenheit übersteht und nach dem Regen loslegt, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet. Vielleicht ist das Portulaks eigentliche Eleganz: Er braucht unsere Aufmerksamkeit nicht. Er wächst trotzdem. Und vielleicht liegt darin auch seine stille Botschaft für eine Zeit, in der wir uns immer intensiver fragen müssen, wie Ernährung in Zukunft aussehen kann. Nicht alles muss neu erfunden werden. Manches muss nur wieder gesehen werden.
Portulak, der kleine Anarchist
Ich gehe weiter und lasse den grünen Teppich hinter mir. Noch ist er für mich kein Abendessen. Noch nicht. Aber er hat etwas verändert. Beim nächsten Spaziergang werde ich wieder etwas entdecken. Nicht nur das Besondere, das als solches ausgezeichnet ist. Sondern nach das Unscheinbare, das sich jeder Auszeichnung entzieht. Vielleicht ist das meine Genusskultur: Die Überraschung wartet bereits an der nächsten Weggabelung. Der Portulak hat keine Verpackung. Keine Herkunftsangabe. Kein Marketingbudget. Keine Sterne. Nur seine kleinen saftigen Blätter, seine jahrtausendealte Küchengeschichte und diese ziemlich verblüffende Fähigkeit, nach der Hitze wiederzukommen.
Und während sich die Instanzen noch den Kopf darüber zerbrechen, wie wir die Ernährung der Zukunft erfinden, liegt sie vielleicht schon irgendwo am Wegesrand. Nicht als fertige Antwort. Aber als Frage. Was hält die Natur noch bereit?
Quellen: BfR zur sicheren Verwendung selbst gesammelter Wildpflanzen (Bundesinstitut für Risikobewertung); ethnobotanische und kulturhistorische Literatur zu Portulaca oleracea (PubMed Central (PMC)); Überblick zu traditionellen Portulak-Zubereitungen und Fermentation (Frontiers).
Lauwarmer Kartoffelsalat mit Portulak

Ein Kartoffelsalat, der nicht nach Zutatenstapel schmeckt, sondern nach Sommer, Garten und einem kleinen kulinarischen Zufall. Die lauwarmen Kartoffeln nehmen das gute Olivenöl auf, der Joghurt bringt Cremigkeit, Zitrone Frische und der Portulak seinen eigenen, leicht säuerlichen, saftig-grünen Charakter. Dazu Ei und Lauchzwiebel – mehr muss wirklich nicht passieren.
Zutaten für 2–3 Personen
- 600 g kleine festkochende Kartoffeln
- 2 Eier
- 2 großzügige Handvoll jungen Portulak aus sicherer, unbelasteter Quelle
- 2 Lauchzwiebeln
- 3 EL gutes Olivenöl
- 2 EL Naturjoghurt
- 1–2 TL Zitronensaft
- etwas fein abgeriebene Zitronenschale
- Salz
- frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Zubereitung
1. Kartoffeln kochen: Kartoffeln gründlich waschen und mit Schale in Salzwasser garen. Sie sollten weich sein, aber noch Biss haben. Eier parallel etwa 8–9 Minuten hart kochen.
2. Kartoffeln lauwarm schneiden: Kartoffeln abgießen, kurz ausdampfen lassen und – je nach Größe – halbieren oder in dicke Scheiben schneiden. Die Schale darf unbedingt dranbleiben.
3. Dressing rühren: Olivenöl, Joghurt, Zitronensaft und etwas Zitronenschale verrühren. Mit Salz und reichlich frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken. Das Dressing darf ruhig etwas kräftiger schmecken – die Kartoffeln schlucken später einiges davon.
4. Portulak vorbereiten: Portulak sorgfältig verlesen, waschen und gut trocknen. Junge Blätter und zarte Stängel können ganz bleiben.
5. Alles zusammenbringen: Die noch lauwarmen Kartoffeln mit dem Dressing vermengen. Lauchzwiebeln in feine Ringe schneiden und unterheben. Erst ganz zum Schluss den Portulak vorsichtig unterheben, damit seine fleischigen Blätter frisch und lebendig bleiben.
6. Eier dazu: Eier pellen, vierteln oder grob schneiden und auf dem Kartoffelsalat verteilen. Noch einmal mit Olivenöl, Pfeffer und gegebenenfalls etwas Zitronensaft abschmecken.
Der kleine Feinschmecker-Moment
Jetzt nicht sofort servieren. Zehn Minuten stehen lassen. Die Kartoffeln saugen das Zitronen-Olivenöl-Dressing auf, der Joghurt legt sich cremig dazwischen und der Portulak bleibt als frischer, leicht säuerlicher Kontrapunkt. Warm trifft kühl, weich trifft knackig, cremig trifft grün. Dazu vielleicht ein Stück geröstetes Sauerteigbrot – und ein Glas kühles Wasser mit Zitrone.
Die Logik des Rezepts: wenige Zutaten, dafür gute. Keine Gewürzlawine, keine Mayonnaise, kein kulinarisches Feuerwerk. Kartoffel, Ei, Joghurt, Zitrone, Lauchzwiebel, Olivenöl und dieses eigenwillige kleine Wildgemüse, das nach Regen plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint. Und genau deshalb funktioniert der Portulak hier so gut: Er ist nicht Dekoration. Er ist der säuerliche Hauptdarsteller.
Portulak – Nährwerte
Portulak (Portulaca oleracea) ist ein erstaunlich nährstoffreiches Wildgemüse – kalorienarm, wasserreich und besonders interessant wegen seines Omega-3-Fettsäuregehalts (ALA).
Nährwerte pro 100 g roher Portulak
| Nährstoff | ca. Menge |
|---|---|
| Energie | 20 kcal |
| Wasser | ca. 92 g |
| Eiweiß | 2,0 g |
| Kohlenhydrate | 3,4 g |
| davon Zucker | ca. 1,0 g |
| Ballaststoffe | ca. 1,9 g |
| Fett | 0,4 g |
| Calcium | ca. 65 mg |
| Magnesium | ca. 68 mg |
| Kalium | ca. 494 mg |
| Eisen | ca. 1,99 mg |
| Vitamin C | ca. 21 mg |
| Vitamin A | ca. 1320 µg RAE |
| Folat | ca. 12 µg |
| Omega-3 (ALA) | ca. 0,3–0,4 g |
Die Werte können je nach Sorte, Standort, Reifegrad und Datenbank deutlich schwanken.
Das Spannende daran
Portulak ist kein Protein-Champion, aber als Blattgemüse liefert er für gerade einmal rund 20 kcal eine bemerkenswerte Kombination aus Kalium, Magnesium, Calcium, Vitamin C und Carotinoiden. Besonders ungewöhnlich für ein grünes Gemüse ist sein vergleichsweise hoher Anteil an Alpha-Linolensäure (ALA), einer pflanzlichen Omega-3-Fettsäure.
Sensorisch macht ihn das ohnehin interessante Kraut noch sympathischer: saftig, leicht säuerlich, salzig-mineralisch und mit einem kleinen knackigen Biss. Genau deshalb funktioniert er hervorragend in einem lauwarmen Kartoffelsalat – die Säure und Frische schneiden wunderbar durch die cremige Kartoffel.
Wichtig: Die oft zu findende Aussage, Portulak sei eine „Omega-3-Bombe“, sollte man etwas bremsen. Er enthält zwar ungewöhnlich viel ALA für ein Blattgemüse, ersetzt aber keine konzentrierte Omega-3-Quelle.
